STARKE AUSGRENZUNG DER BUCHARISCHEN GEMEINDE

Auszug aus dem Newsletter zur IKG-Sitzung am Mittwoch, dem 1. Juli 2020 mit dem Vorwort von Obmann Israel Abramov

Liebe Brüder und Schwestern,
liebe Leserinnen und Leser!

Gestern haben im Rahmen einer Kultusgemeinderatssitzung interne Wahlen der Vizepräsidenten und Kommissionsmitglieder der IKG stattgefunden. Ein weiteres Mal mussten wir feststellen, dass ATID sich weiterhin an der Ausschließungs- und Benachteiligungspolitik gegenüber den bucharischen Mitgliedern, sowie gegenüber den bucharischen Kultusvorstehern festhält. In den letzten Monaten haben wir uns aktiv um die Verbesserungen der Beziehungen bemüht, so gab es auf unsere Initiative einige Gespräche. Wir haben uns intensiv auf diese Gespräche vorbereitet um Brücken zu bauen, aber statt eines Kompromisses zu finden, wurden wir gleich am Anfang der Gespräche von Oskar Deutsch als „destruktive Kräfte“ bezeichnet. Auch wenn die Vorwürfe gegenüber dem VBJ stimmen würden, was wir zur Gänze und vehement bestreiten, so würde es zur Größe und Weitsicht einer Führungspersönlichkeit gehören, vermittelnd einzuwirken und unabhängig die Seiten beider Parteien zu sehen. Aus heutiger Sicht ist es sehr fragwürdig, ob Oskar Deutsch fähig ist die Gemeinde zu führen, geschweige eine Einheitsgemeinde.

Widerspruch gegen Oskar Deutsch wird bestraft
Als VBJ vertreten wir 30% der IKG-Mitglieder, werden aber im Gegenzug finanziell immer mehr beschnitten, menschlich ausgegrenzt und unsere Bemühungen des Ausgleichs zunichte gemacht. Ich kann diese Einstellung gegenüber uns und vor allem gegenüber unserer Kultusvorsteher nicht mehr tolerieren.

Stehen für „Bucharenquote“ nicht zur Verfügung
Unsere Kultusvorsteher leisten eine ausgezeichnete Arbeit, freiwillig, unbezahlt und aufopferungsvoll. Daher ist die Behandlung seitens ATID ihnen gegenüber eine „Chutzpe“ und es macht keinen Sinn, dass sie sich weiterhin in die „Farce“, genannt Kultusgemeinderatssitzung, einbringen. Themen und Entscheidungen sind bereits vorgegeben und wir stehen sicher nicht zur Erfüllung dieser „Bucharenquote“ zur Verfügung. Man „braucht“ uns offensichtlich nur, um nach außen hin eine Einheit zu suggerieren, um weiterhin Förderungen für die eigenen Interessen zu bekommen.

Andere werden für eigene Fehler verantwortlich gemacht
Ein beliebter politischer Zug der Regierungspartei ist es, Tatsachen zu verdrehen. Das sieht man am Paradebeispiel der gestrigen Sitzung: Dem VBJ wird vorgeworfen, zu wenige Frauen in politischen Ämtern zu haben und gleichzeitig werden genau unsere beiden Vertreterinnen Rina Kaikov und Dr.in Lisa Malaiev aus der Sozialkommission rausgewählt. Beide Damen eint mit Josef „Jusik „Sarikov, der ebenfalls aus seinem Amt in der Sozialkommission rausgewählte wurde, ein jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement für die Gemeinde. Diesen Einsatz, den alle drei über alle Parteigrenzen hinweg gelebt haben, wird von Oskar Deutsch mit einer Kollektivstrafe bedacht, wobei sogar noch vorab zugesichert wurde, dass alle drei auch weiterhin Mitglieder der Sozialkommission sein werden. Oder Präsident Deutsch tätigt z.B. die Aussage, innerhalb der jüdischen Gemeinde nicht zu differenzieren, im selben Atemzug bezeichnet er uns als „Bucharen“, nicht als VBJ oder bucharische Juden. Um die gezielte Ausgrenzungspolitik nach außen zu vertuschen, werden einige „Bucharen“ seitens ATID für Kommissionen ernannt. Gezielt werden diese selektiert, um lediglich Personen in die Kommissionen zu bringen, denen es aufgrund ihrer Zeit nur schwer möglich ist die Tätigkeiten zu verrichten, oder aus anderen Gründen sich nicht einbringen können. Ein toller Marketing-Gag nach außen, aber wir lassen uns nicht für blöd verkaufen.

Auf die Schwachen wird nochmals hingetreten
Wir sind die einzige Fraktion, die im Kultusrat herkunftsabhängig von ATID als „BUCHAREN“ bezeichnet wird. Warum sagen ATID-Vertreter zu Personen vom „Verein Georgischer Juden“ nicht „die GEORGIER“ oder zu Khal Israel „die Ultraorthodoxen“? Würde es ATID gefallen, wenn Politiker uns die „Juden“ nennen? Oder sollen wir jetzt auch Begriffe wie „Georgier“, „Aschkenasen“, „Rumänen“, etc. in den Mund nehmen? Das entspricht nicht unserer Redeweise, so sind wir nicht. In Zentralasien nannten uns Andersgläubige „Jids – Juden“, in Österreich werden wir gerade von unseren Glaubensbrüdern respektlos und abwertend als „BUCHAREN“ bezeichnet. ATID verhöhnt uns, nicht nur in den Kultusratssitzungen, sondern auch in deren Newslettern oder Zeitschriften werden wir die „BUCHAREN“ genannt. Ist ATID nicht bewusst, wie sich diese herabwürdigende Art bereits auf Kinder und Jugendliche auswirkt, die in dieser unzumutbaren Atmosphäre aufwachsen? Sie nehmen sich ja den Präsidenten der Gemeinde, die Gemeindeführung, ihre eigenen Eltern als Vorbild und werden die Begriffskultur von ATID weiterführen. Ist das die Basis für eine gute Zukunft? ATID wäre ja bekanntlich das hebräische Wort für „Zukunft“.

ATID hat nichts aus Fehlern gelernt
Wir erinnern uns noch gut an Infomails aus dem Jahre 2016 von ATID, wo bereits in der Überschrift das Wort „BUCHAREN“ verwendet wird. Unterschrieben vom gesamten ATID Team. Auf diesen Newsletter hin hat sich damals ATID entschuldigt, aber man sieht, dass ATID nun weitere fünf Jahre danach nichts dazu gelernt hat. Das ist das wahre Gesicht von ATID. Wir leben hier bereits teilweise in der fünften Generation und sind ein wichtiger Teil Österreichs und ein Erfolgsbeispiel für gelungene Integration. Hierzu gibt es ja auch konkret ein Schreiben, welches uns zusichert, dass wir nicht mehr abwertend als „die Bucharen“ bezeichnet werden.

Wir übernehmen seit Jahren Verantwortung
Eine freche, aber vor allem falsche Unterstellung möchte an dieser Stelle ich vehement zurückweisen: Bei der gestrigen Sitzung wurde dem VBJ vorgeworfen, er „soll endlich Verantwortung übernehmen.“ Ich kann Ihnen versichern, dass wir das seit Jahren bereits tun. Mit weit über 120 Freiwilligen sorgen wir für IHRE tägliche und persönliche Ermöglichung eines jüdischen Lebens, um das uns viele Gemeinden in Europa beneiden. WIR haben dies ermöglicht. Während wir bereits arbeiten, reden andere noch oder arbeiten insgeheim für ihre eigenen Interessen. Vorbereitete Beschlüsse in Gremien abzunicken ist nicht unsere Vorstellung von „Verantwortung“. Wir wollen für alle arbeiten, nicht für eine inszenierte Kultusvorstandssitzung!

Fernbleiben an Sitzungen als Protestakt
Glauben Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, nichts wäre mir mehr wünschenswerter, als dass wir an „echten“ IKG-Arbeitssitzungen teilnehmen könnten, um etwas zu bewirken. Wie bereits erwähnt, sorgen wir aber derzeit für den IKG-Vorstand aber lediglich für die „Bucharenquote“, die nach außen marketingtechnisch vielleicht verkauft werden kann, aber weder uns noch ihnen etwas bringt. Unsere Ideen, die der gesamten Gemeinde zugutekommen würden, werden weiterhin konsequent abgeschmettert und gleichzeitig unsere Vertreterinnen und Vertreter diskriminiert. Das muss enden!

Zunahme des Antisemitismus
Es wurde bei der gestrigen Sitzung auch das Thema des steigenden Antisemitismus besprochen. Ich fordere an dieser Stelle Präsident Deutsch auf, seine Diskussionsbereitschaft in Zukunft vermehrt in diesem Bereich einzubringen. Nur in internen Sitzungen davon zu reden bringt uns hier nicht weiter.

Auch in Zukunft werden wir weiter Verantwortung übernehmen, wenn wir wie bisher für jüdisches Leben in Wien sorgen. Uns ist es wichtiger, mit „Rat und Tat“ der gesamten Gemeinde zur Verfügung zu stehen, als politisches Kleingeld mit Pseudodiskussionen zu verdienen.

Schreiben wir deshalb auch weiterhin gemeinsam Geschichte, egal welcher religiösen oder politischen Strömung wir angehören, krempeln wir die Ärmel hoch arbeiten für die Jüdinnen und Juden Österreichs.

Ihr / euer Israel Abramov
Obmann Verein Bucharischer Juden

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